28. Mai 2008


ariel

I
die grenzen sind los. an den ketten zu zerren, erwies sich als lohnend. warum kann ich ihn nicht wiederrufen? was fehlt? liegt es an der einbildung, irgendwo zu sein?
ich stehe im treppenhaus und warte.

II
(du bist so selbstverständlich, nie könnte ich so selbstverständlich sein.
ich dachte immer, man nimmt mich mir nicht ab. so ist das natürlich, weil ich mich mir nicht abnehme. genug davon.)

III
hier nicht, hier nicht, war alles, was ich denken konnte, aber was hilft das, es ist kein argument.
wo ist immer da, ganz gleich wo. ich sagte, komm, und da war er. ein komischer vogel, wirklich.
wirklich, sagte ich.

VI
seinen namen erriet ich erst, als er nicht mehr kam. es kann auch gleich sein, aber man braucht einen titel.

V
niemand geht hinunter. hinauf auch nicht. sie scheinen hinter den türen zu sein. wie unzulässig man sich vorkommen kann. das druckknopflicht hat sich abgespult. (ob es das immer noch gibt? vielleicht sollte ich in dieser frage klarheit schaffen, das wäre ein verdienst.
statt hier starr der dinge zu harren.
dinge?)

VI
ich sage dir nun, daß es spät ist. woher ich das weiß? es ist eine sachliche feststellung, meinem zustand angemessen und der finsternis in diesem seltsamen - raum.
bald müssen leute kommen. es kann nicht länger geduldet werden. es ist kein aufenthalt im eigentlichen sinne.

VII
(was dann.)


26. Mai 2008


nächte

alles aufbieten
unbedingt sprechen
um des lieben lebens willen
begütigen die dunklen mächte
denn in dem, was ist
ist, was noch nicht ist
sich aufbieten
lange weiße nächte lang –
„da bemerkte schehrezad
daß der morgen begann“


24. Mai 2008



publishing is the auction of the mind.
emily dickinson



zu teuer

viel wohlfeile sehnsucht
geht zu markte, geht gut

wir leben und handeln
mit sehnsucht
um zu leben

daß die unsere
sich sehr schlecht verkauft
wie gut




zeit

an tag nach tag
streiche ich entlang
darin
all das andere
was ich nicht bin
davor
was ich bin
und nicht sehen kann




wunder

für mich, die
unwahrscheinlichste
von allen
hat´s rote rosen
geregnet, mir sind
sämliche
wunder begegnet

daran will ich mich
halten
wenn einmal ich
und alles alte
beim alten




worum es geht?

in wahrheit sind sie vögel
um vögel kannst du nicht ringen
scheu sind sie
aus schlechter erfahrung
mit recht fürchten sie dich
deine käfige und netze
bist du auf der jagd
so bleiben sie fort
bitte sie um hilfe
halte ihnen in zutrauen
deine hand hin
mit ein paar samen
von deinem besten
und aus der freien luft
werden sie zu dir kommen
sogar die großen, wilden
mit dem herben schrei
mit dem reißenden schnabel
werden dir gut sein
denn kommst du zu ihnen
so verstehen sie dich
nicht du sie
berühre sie leicht
suche ihre augen
fühle ihren herzschlag, ihre wärme
einen augenblick
du kannst sie nicht besitzen
sonst sterben sie
nur ihre weise
kannst du versuchen
sie sind über und über
mit leben beschäftigt
schenk dich ihnen, laß dir geben
ihr gleicht euch in einem
sie sind zwecklos
wie du




worauf es ankommt

die ersten fahlen zeichen in der luft, am boden –
was noch kommen wird, senkt sich und fällt.

innen in uns sind wir ohne alter
doch sind wir auch außen, nur der schein flieht.

was uns nun wieder zum ersten mal geschieht
geschieht uns schon seit langem nicht mehr
zum ersten mal.

und ich fühle klarer, da ist ein maß für
liebe und leben, auf sich ankommen lassen
muß man sie
solange namen und dinge den zauber haben.